Big City Club 
Group exhibition
2025

with works by: 
Paula Breuer, Tommy Camerno, Markues, Esra Nagel, Lee Stevens; curated by Esra Nagel

The name Big City Club refers to a marketing-slogan adopted by a Berlin football club some years ago. After signing a new investment contract, this slogan expressed the club’s aspirations for competing at the very top. It was supposed to emphasize its international relevance. This re-branding was swiftly followed by the club’s relegation to the second division and a long struggle for its financial survival. 

In the Big City Club luxury and ruin, international attention and provinciality lie directly next to each other. In this spirit the exhibition addresses symbols of wealth and abundance and the moments of vicissitude, in which those shift into their opposite.

The exhibition is organized in cooperation with  Teile 2o46 – Verein zur Förderung zeitgenössischer Kunst. Many thanks to Between Bridges for the exhibition support! 

Installation views by Jonas Kuck

A framed drawing sits on a stove plate. It leans against a wall lined with white tiles. The colorful drawing contracts the bright and pale colors of the kitchen surrounding.
Markues, Don’t Get Mad Get Everything, 2018
A close up of the drawing on the stove plate. Colorful drips and washed out fields of water color cover the framed paper. Almost not legible, words appear between them: Don’t get mad, get everything!
A small kitchen. On the right a sink, a stove, and a washing machine line up next to each other. A framed drawing sits on the stove plate. The kitchen door opens the view to the main room of the exhibition and to a small painting on a wall.
Two paintings on a wall. The left one is depicting trees with colorful early autumn leaves, with many shades of green and yellow against a washed out red background. The one on the right shows a chandelier swinging above a plane of water. The painting is dominated by dark reds and highlights of bright pink.
Left: Paula Breuer, Waldemarstraße, 2025; right: Tommy Camerno, After Dandy Sunset, 2023
A close up of a painting. Vertical light brown brushstrokes evoke tree trunks, growing over an abstract background, tinted in different intensities of red. Watery fields of green, yellow and brown make up the autumnal foliage of the trees.
A close up of a painting. A chandelier swing dramatically over a blue and red horizon. The painting is dominated by classical painterly colors, like the dark ruby background and the bronze and golden surface of the chandelier. Only some bright pink highlights on the chandelier break with this color palette.
A window and a balcony door seen from inside. The blinds are pulled down, though turned in a way, that lets the bright sunlight in. On the window sill sits a stack of printed paper.
A stack of printed paper resting on a window sill. The blinds are let down but not closed. A line of roofs frame the horizon in the background.
Lee Stevens, edited and fragmented excerpt from the unpublished text Im Tal, 2025
A close up a printed paper resting on a window sill. The text is legible. Find the full text on this page just below this image. The text is German.

Barfuß auf dem Balkon im November
Schauend in die Fenster schräg gegenüber
Ungesehen bin ich im schon dunklen Nachmittag
Beobachtet als Anderes doch immer

Keine Staubschicht auf Mensch und Möbel 
Ihre Zeichen und Furchen
Aufgeräumt
Nicht tief genug

Ein Teppich aus echtem Tier
In mir klopft das Falsche
Die Kühe der Hinterhöfe
Der Ring sie zu Ketten noch da in der Wand

Wie froh war ich von der Nachbarschaft 
Nicht gekannt zu sein
Denn im falschen Haus
Kommt die Angst aus dem Hinterkopf


Die Eingänge zum Tal führen durch graue Schluchten mit überbauten Bächen. Jeder Eingang hat einen griechischen Imbiss mit Spielautomat und Bohnensalat, einen Bäcker, einen Konsum, eine Grundschule, eine Hauptschule und eine Tankstelle. Hier fahren die LKW rein und raus, den ganzen Tag und die ganze Nacht. Die Züge kommen auch. Cargo aus der Welt. Dann sagen uns die Eltern geht nicht über den Bahndamm.

Am Flussrand das Springkraut. Der Fluss stinkt, wenn kein Wind weht. Wir klettern in die verbotenen Höhlen und steigen über das Wehr. Tote Enten einsammeln. Im Sommer glitzert der Fluss und die Kraniche kommen. In den Wäldern zwischen den Werken sind die Lichtungen voll Fingerhut. Digitalis. Magenta mir im Auge, die Hummeln dazwischen. Bleibt das Herz stehen, wenn man den Kinderfinger in die Blüte hineinsteckt und lang genug drin lässt?


Die Stadt ist klein und liegt im Tal. Im Tal in dem von November bis März die Wolken hängen bleiben und abregnen, nach dem sie dort feucht und grau alles bedecken, die Häuser veralgen und einem in den Körper kriechen. Im Tal in dem von November bis März alles braun und dunkelgrün ist. Die entlaubten Hänge auf die man in jede Richtung blickt. Die Tannen dazwischen. Wenn es schneit und der Boden gefriert ziehen sich alle Socken über die Schuhe, beschweren die Autos mit Betonsäcken oder ihren Kindern und ich gehe zum Schieferhang Eiszapfen fressen.


Die Stadt wird mindestens ein mal im Jahr überschwemmt. Man hat den Fluss einbetoniert. Da gab es mal Lachse. Dann kamen die Wehre mit der Industrie. Jetzt sitzen wir mit den nackten Ärschen in ihm. Wir fischen an der Böschung nach Knochen und Müll. Der ist besonders gut nach dem Hochwasser. Die Gewaschenen und Gekämmten aus der Nachbarschaft schütteln den Kopf. Sie stärken ihre Gardinen und tragen lange graue Mäntel die den Kitteln der Fabrik ähneln.




In allen Tälern der Gegend sitzt die Metallindustrie an den Flüssen und Bächen. Draht, Nadeln, Schrauben, Muttern, Autoteile. Gefüttert werden die Werke von der Schwerindustrie der großen Städte, nicht weit entfernt. Die ist schon fast tot als ich geboren werde. Das sagt uns niemand. In Heimatkunde zeigt man uns die Hochöfen. Wir werden sie eines Tages heizen. Wir Kinder spüren das Sterben der Fabriken in den Körpern der Erwachsenen. Es kann nicht weiter verdrängt werden. Zurück bleiben Skelette und Gift, zurück bleiben halb leere Siedlungen, geschlossene Schulen, Märkte und Imbisse. Die Häuser mit Schwamm werden abgerissen. Dem radikalen Rückbau der Verlassenheit sperrt man sich und glaubt, das die Menschen irgendwann zurück kommen würden.

Ich habe ein exzellentes Gedächtnis für Architektur und Inneneinrichtung. Alles dazwischen ein Archipel aus scharf gefrorenen Szenen, umgeben vom Rauschen der Dunkelheit. Dein Haus, ein 4 Stöckiges Reihenhaus, weiß gekalkt. Gegenüber eine der Fabriken. Ganz unten die Waschküche, die nicht mehr genutzt wird, außer von uns als Spielraum. Wir haben im Sperrmüll Teppichreste gefunden und sie auf den feuchten Boden gelegt.
In einer sterbenden Stadt gibt es den besten Müll.
Mit geklauten Sprühdosen schreiben wir unsere Namen an Decke und Wand. In Druckbuchstaben. Schreibschrift können wir noch nicht. Neben dem Haus eine vermooste Treppe aus Waschbetonplatten. Die Treppe muss man hoch, um zu den obersten zwei Stockwerken zu gelangen. Links neben der Treppe ein in dieser Gegend üblicher Terassengarten. 

Hier wächst der Kohl und die Stachelbeere. Hier steht die Sonnenblume. Oben an der Treppe rechts abbiegen durch einen schmalen unüberdachten Gang. Auf der rechten Seite der Eingang zum Treppenhaus. Dort, unter euch, wohnt die griechische Familie, dort riecht es nach warmem Hefegebäck, das uns heilt während wir es im Mund halten. Leider müssen wir schlucken.

Ich habe der Stadt im Tal ihren Untergang gewünscht. Gewünscht, zuerst verlassen und dann dem Erdboden gleich gemacht zu werden. Meinen Schmerz wollte ich mit ihr begraben und auf ihm die Auen anfluten und die Wehre entzweien, so dass die Lachse mit mir ihre Reise zurück antreten könnten. Doch wir kommen nicht mehr zurrück zwischen die Hügel, die sich um den Fluss winden. In mir drin, unter meiner Haut geblieben ist der Aufstieg der Nacht am Abend aus dem Tal. Die Nacht kommt aus dem Wasser gekrochen. Über die Ufer und Häuser kriecht sie in den Wald, wo sie aus den Bäumen ausatmet und in den Himmel übergeht.


gekürzter & fragmentierter Auszug aus dem unveröffentlichten Text Im Tal von Lee Stevens




Two photographs on a wall. They hang close to each other, both depicting empty rooms with expressive lighting. Two doors frame the wall. The one on the left leads into a small hallway. The one on the right leads into the kitchen.
Closeup of two photographs on a wall. The work on the left shows an empty room with lighting coming from outside the image, simulating light shining through blinds. the work on the right also shows an empty room with psychedelic fields of light illuminating the walls, as if reflected from a liquid surface.
Left: Esra Nagel, Durch die Nacht mit..., 2025; right: Esra Nagel, Durch die Nacht mit... (Charlotte Perriand‘s Chalet in Méribel, Les Allues), 2025
The two photographs from an angle. Here it becomes apparent the photographs are mounted on paper boxes, which gives them depth contrasting the flatness of the image plane.
Closeup of the painting in the hallway. Another brighter chandelier is swinging over a lighter blue watery horizon. Its appearance is very similar to the first chandelier, only the time of day seems to have shifted from night to dawn.
Tommy Camerno, Dandy Sunset, 2023
A framed drawing on the wall. It’s hung close to an intercom phone on its right which in turn is installed next to the white entrance door of the space. Presented on a small cabinet below are the flyer and room plan of the exhibition.
A framed drawing on a wall. It's depicts a person with long blonde hair sitting on an office chair, looking a bit tired. They are wearing a white coat resembling a lab-coat. A bright blue jacket casually draped over the office chair, some bright pink highlights and a green field suggesting a park outside break with the dominant subdued color palette of different shades of white, brown and grey.
Paula Breuer, At the reception, 2025